#4 Service statt Stillstand - wie der Handel seine Zukunft sichert

Shownotes

In dieser Folge von „Handel im Ohr“ sprechen Monika Verspohl, Chefredakteurin des BaustoffMarkt, und Markus Howest, Chefredakteur BaumarktManager, mit Dr. Markus Mayer, Partner bei Simon-Kucher & Partners und Experte für Commercial Excellence im Bausektor. Themen der Episode sind unter anderem:

  • Erkenntnisse aus der Studie „Neues Bauen“ von Simon-Kucher zusammen mit BaustoffMarkt – Energieeffizienz und Kostensenkung als zentrale Trends
  • Innovative Geschäftsmodelle wie Betreibermodelle oder Kooperationen, die Investitionen in Nachhaltigkeit vereinfachen
  • Die Rolle von Planern und Architekten – Beratung über nachhaltige Bauweisen und Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette
  • Herausforderungen bei der Umsetzung effizienter Bauprozesse durch föderale Bauordnung und viele Beteiligte am Bau
  • Lifecycle Costing – Gebäude über den gesamten Lebenszyklus betrachten, Vorteile und praktische Herausforderungen
  • Strategien zur Positionierung des Handels – Erweiterung des Serviceportfolios und digitale Lösungen
  • Erfolgreiche Transformationen und Beispiele aus der Praxis
  • Externe Beratung in der strategischen Entwicklung – Wann und wieso ist sie sinnvoll?

Transkript anzeigen

00:00:02: Herzlich willkommen zu Handel im Ohr.

00:00:06: Im Podcast der marken Baustoffmarkt und Baumarktmanager zu den Themen und

00:00:10: Aufgaben des Baustofffachhandels und DIY

00:00:12: Einzelhandels.

00:00:16: Schönen guten Tag Herr Meier.

00:00:17: Es freut uns, dass Sie sich jetzt im Podcast mit uns über das Ergebnis der Studie neues Bauen unterhalten und ich möchte gar nicht lange vorreden.

00:00:29: und gleich dazu überleiten, dass Sie sich kurz vorstellen.

00:00:33: Ja, vielen Dank für die Einladung zum Podcast.

00:00:36: Mein Name ist Markus Meier.

00:00:37: Ich bin Partner bei Simon Kucher und Partners einer strategischen Unternehmensberatung, die sich fokussiert auf das Thema Commercial Excellence, was sich mit der Frage beschäftigt, wie Unternehmen erfolgreich profitabel wachsen können.

00:00:51: Ich selbst bin dort seit über fünfzehn Jahren für den Bausektor zuständig begleite Unternehmen in diesem Zusammenhang im Bausektor entlang der Wertschöpfungskette.

00:01:01: Das heißt, sowohl Hersteller als auch Handel bis hin zu verarbeitenden Unternehmen.

00:01:06: Und in diesem Zusammenhang taucht natürlich oder tauchte im Umfeld der Baukrise, die wir die letzten zwei Jahre beobachtet haben, sehr stark die Frage auf, was sind denn eigentlich die Zukunftsstrategien?

00:01:17: Wie müssen sich Unternehmen aktuell aufstellen, um aus der Krise selbst herauszuwachsen.

00:01:23: Und das haben wir mit besagter Studie untersucht.

00:01:26: Ja, vielen Dank.

00:01:27: Welches Ergebnis der Studie hat sie denn am meisten überrascht?

00:01:30: Wir hatten, erlauben Sie mir vielleicht ganz kurz auszuholen am Anfang mit der Studie, ja knapp fifteenhundert Fachleute aus der Branche befragt zu ihrer Sicht auf Branchen Trends.

00:01:43: Das ging von Themen in der Digitalisierung wie BIM über Vorfertigung auf industrieller Seite bis hin zu Logistikoptimierungen, also ein reiter Blumenstrauß hin auch zu Themen wie Nachhaltigkeit.

00:01:59: Wir haben die Teilnehmer gefragt, wie sie sich mit diesen Trends auskennen und was sie erwarten, wie große Relevanz für sie haben wird.

00:02:09: Wir haben das so gestaltet, dass wir über alle schlufender Wertschöpfungskette hinweg befragt haben.

00:02:15: Das heißt, wir haben sowohl Bauherren, institutionelle Bauherren und Investoren, wir haben Planer und Architekten, wir haben Bauausführende Unternehmen und das Handwerk, wie auch den Baustoffhandel und die Baustoffindustrie befragt.

00:02:33: Das für mich eindrücklichste Ergebnis dieser Studie ist tatsächlich, dass alle von denen bei der Frage, welche Trends aus ihrer Sicht besonders relevant sind, gesagt haben.

00:02:46: Es geht um Energieeinsparung in der Nutzung von Gebäuden und damit eine Kostensenkung in der Nutzung von Gebäuden.

00:02:55: ist erstmal gar nicht so verwunderlich, weil da natürlich auch, wir erinnern uns alle noch an die letzte Bundesregierung mit dem Heizungsgesetz, sehr, sehr viel darüber diskutiert wurde.

00:03:06: Das war also in aller Munde.

00:03:07: Dementsprechend ist das nachvollziehbar, aber... Eine Investition in bessere Dämmungen, neue Fenster, die Solaranlage auf dem Dach, die Wärmepumpe statt dem Ölkessel im Keller sind natürlich alles erstmal Investitionen, die dazu führen, dass Baukosten initial steigen.

00:03:29: Und das ist genau das Dilemma, das entsteht.

00:03:33: Wir haben ja gleichzeitig auch das Ziel, mehr Wohnraum zu bauen.

00:03:36: In der letzten Bundesregierung ging es um vierhunderttausend Wohneinheiten, die wir im Jahr schaffen wollen.

00:03:41: und dem steht natürlich eine Investition in zusätzlichen Aufwand für Energieeffizienz und damit eine Kostensenkung in der Nutzung erstmal entgegen.

00:03:54: Und das wäre jetzt genau meine Frage.

00:03:57: Das klingt nach einem geradezu unauflösbaren Spagat.

00:04:01: Welche Modelle bieten sich denn da an?

00:04:05: um diesen Spagat aufzulösen.

00:04:07: Also wir haben auf der einen Seite die Notwendigkeiten, Kosten zu senken, auf der anderen Seite entstehen aber mehr Kosten durch die höhere Energieeffizienz, um das nochmal genau auf den Punkt zu bringen.

00:04:17: Ich glaube, das Problem liegt tatsächlich in den unterschiedlichen Nutzniesern.

00:04:22: Die bessere Dämmung, die kostengünstigere Heizung oder der Solarstrom vom Dach, da ist zunächst mal der Nutzer des Gebäudes, was eben oft ein Mieter ist.

00:04:34: derjenige, der davon profitiert.

00:04:35: Der Eigentümer muss initial da rein investieren.

00:04:39: Und da braucht es aus meiner Sicht die richtigen Anreize auch durch ein Gesetzgeber, das für den Eigentümer, für den Investor, da ein kontinuierlicher positiver Cashflow und eine entsprechende Rendite aus dieser Investition entsteht.

00:04:55: Das ist bei einer Solaranlage vielleicht noch relativ einfach denkbar.

00:05:01: Wenn ich mir überlege, dass ich dem Mieter im Haus eben den auf dem dachproduzierten Strom dann verkaufen kann.

00:05:08: Aber das sieht schon anders aus.

00:05:10: Wenn ich über eine Dämmung oder oder bessere Fenster nachdenke, ein Mietaufschlag von x Euro pro Quadratmeter für eine bessere Dämmung, habe ich jetzt so noch in keinem Mietvertrag gesehen.

00:05:22: Also da braucht es aus meiner Sicht die richtigen Impulse auch vom Gesetzgeber, dass dass sich da Investitionen auch lohnt, um diesen Spagat zwischen dem Nutzenieser.

00:05:37: Gebäude Betreiber oder Gebäude Nutzer und Gebäude Eigentümer aufzubrechen.

00:05:42: und vielleicht ein Exkurs, was da schon ein Ansatz ist, glaube ich, der in die richtige Richtung geht, ist der Gedanke über neue Betreibermodelle nachzudenken.

00:05:53: Wir bleiben bei dem Beispiel Solaranlage.

00:05:56: Die Firma Enpal ist ja ein Unternehmen, das auch mittlerweile vielen oder allen bekannt ist.

00:06:02: Was sie machen, ist, die vermieten die Solaranlage auf dem Dach.

00:06:06: nicht mehr investieren in die initiale Anlage, sondern dann habe ich ein anderes Finanzierungsmodell, miete mir die Solaranlage und plötzlich ist das eine ganz andere Investitionsrechnung.

00:06:18: Also das ist, glaube ich, der Gedanke, den man weiterführen müsste.

00:06:22: Wie kann ich über andere Betreibermodelle die initiale Investitionen abmildern und dann auch den eigentlichen Nutznieser sozusagen in die Kostenverpflichtung nehmen?

00:06:34: Dieser Spagat führt ja auch dazu, dass der Bausektor im Moment ein bisschen schwächelt, weil die Baukosten extrem hoch sind.

00:06:40: Eine leichte Belebung, sehen wir bei den Baugenehmigungen, das IFO-Institut sieht auch eine Belebung.

00:06:47: Trotzdem, wie können Plan- und Architekten, vielleicht durch einen verstärkten Einfluss auf die übrige Bauwertungskette, inklusive der Bauherren und Investoren, das Bauen wieder ankurbeln?

00:06:59: Welche Rolle können der Plan- und Architekten übernehmen?

00:07:02: Erst mal kurz eingehend auf die Einleitung, die Sie haben, das ist eine Einschätzung, die ich teile.

00:07:08: Ich will noch nicht von der ganz großen Trendwende oder von dem großen Wachstum sprechen, aber die Signale, die Sie genannt hatten, die IFO-Geschäftsklimaindex, steigende Baupreise, steigendes Baufinanzierungsvolumen, das wir jetzt seit ein paar Monaten beobachten, sind für mich ein Signal, das da wieder eine Nachfrage.

00:07:28: kommt und sich langsam wieder aufbaut.

00:07:31: Die werden Planer und Architekten nicht vollständig generieren können, sondern der Treiber dafür nach meiner Überzeugung ist tatsächlich nachher das Zinsniveau, das sich jetzt glücklicherweise stabilisiert hat.

00:07:44: Trotzdem glaube ich, dass Planer und Architekten einen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung haben können.

00:07:51: Inwiefern ich denn jetzt auch nennen wir es mal modernere, neuartige, nachhaltige Bauweisen generiere.

00:08:00: Und da sehe ich den Planer und den Architekten in der Pflicht als den Berater des Bauherrn, der ja gar nicht das technische Verständnis und das inhaltliche Verständnis in dem Maße haben kann.

00:08:13: Wenn wir zumindest über den privaten Bausprechen, dann ist es ja in der Regel so, dass die Bauentscheidung einmal im Leben getroffen wird.

00:08:22: Da kann der Bauherr nicht in dem Maße eine Tiefe an Wissen haben und da braucht es den Planer, den Investor, der eben entsprechend nicht nur das Gebäude plant, sondern auch die Wirtschaftlichkeit von neuen Methoden, von neuen Baustoffen nachweist.

00:08:40: Und das ist, glaube ich, tatsächlich jetzt gerade auch ein Window of Opportunity oder eine Eine Notwendigkeit, denn ab twenty-sevenundzwanzig werden wir ja erleben, dass das auch das Thema Öl und Gas in den Emissionshandel der EU aufgenommen wird, wo wir dann plötzlich fürs Heizen mit Gas und Öl, die für unseren Pkw für Zertifikate bezahlen müssen oder im Preis das Werten bezahlen müssen.

00:09:08: Und das wird massiv etwas verändern.

00:09:11: Derjenige, der sich da heute nochmal einen Gaskessel einbaut, der wird sich in ein paar Jahren wundern, wie teuer.

00:09:16: das plötzlich geworden ist.

00:09:18: Das ist jetzt schon absehbar, ist aber natürlich was, was weder die privaten Bauherren und ehrlicherweise auch viele im Handwerk nicht in dem Maße der Tragweite durchdringen.

00:09:31: Und da sehe ich ganz klar den Planer, den Architekten eigentlich in der Pflicht, diese Information zu geben und da dem Bauherren die richtige Entscheidung an die Hand zu geben.

00:09:40: Und das ist eben auch eine Beratung darüber, was ist langfristig die wirtschaftlichste Investition.

00:09:47: daraus entnehme ich ein bisschen das so der Weitblick insgesamt fehlt.

00:09:52: Ich habe das jetzt auch und das überrascht mich auch an der Studie nicht wirklich, denn es ist letztendlich, um es verkürzt zu sagen, es wird viel diskutiert, weil man ist sich im wesentlichen grundsätzlich über bestimmtes einig, aber dann wird die Handlung doch nicht umgesetzt.

00:10:09: Also hier steht es beispielsweise, dass für die nächsten drei bis fünf Jahre die Prozesse des Effizienten und kostengünstigeren Bauern eben halt nicht umgesetzt werden.

00:10:21: Ich frage mich, warum ist das so?

00:10:24: Ist hier die mangelnde Transparenz tatsächlich immer noch dafür verantwortlich?

00:10:29: Das ist jetzt eine Frage, mit der Sie mich natürlich aufs Glatteis bringen insofern, weil das jetzt ja die Frage nach dem Schuldigen ist.

00:10:38: Und ich glaube, es ist schwierig, da zu sagen, es liegt an diesem oder an jenem oder an jenem.

00:10:44: Ich glaube, es ist eine Vielzahl an Faktoren, die da einfließen.

00:10:49: Das hat sicherlich damit zu tun, dass wir in Deutschland sehr kompliziert bauen, dass wir sehr viele Beteiligte am Bau haben, durch unsere föderalen Bauordnung in jedem Bundesland unterschiedliche Rahmenbedingungen vorfinden, die es nicht einfach machen, das schon auf planerischer Ebene einfach zu gestalten.

00:11:10: Dann haben wir durch unsere hohe Spezialisierung, die wir im Handwerk haben, die Trennung in Gewerke mit unseren Meistern.

00:11:18: auf die wir zu Recht sehr stolz sind.

00:11:21: Aber damit haben wir natürlich eine Vielzahl an Beteiligten im Bau, die es in anderen Ländern in dem Maße nicht gibt.

00:11:27: Da ist viel, viel mehr verzahnt und viel weniger unterschiedliche Schnittstellen.

00:11:32: Und ich glaube, gerade an diesen Schnittstellen geht viel Effizienz verloren.

00:11:38: Und insofern ist sicherlich ein relevantes oder Deutliches Steigerungspotenzial noch für Verbesserungen in der Frage, wie wir uns in der ganzen Bauwertschöpfungskette besser aufeinander abstimmen und besser ineinandergreifen.

00:11:55: Ansätze dafür sind sicherlich die Digitalisierung sind BIM, die ja natürlich im Konzept genau darauf abzielen, schon vorne in der Planung Fehler zu vermeiden, Fehler zu identifizieren, auszumerzen, Klarheiten zu schaffen, über welche Baustoffe eingesetzt werden, von wem die Wannen im Bauprozess beizubringen sind.

00:12:17: Aber das ist tatsächlich in der Umsetzung in der Breite nach meinem Eindruck noch nicht angekommen.

00:12:22: Ich will nicht ausschließen, das ist große Bauprojekte.

00:12:24: gibt, wo man das ohnehin schon tut und das auch in Leuchtturmprojekten umsetzt, aber in einer breiten Masse nicht angekommen ist.

00:12:31: Und die andere Dimension dessen, die man hier nach meinem Verständnis auch erwähnen muss, ist natürlich die Frage der Regulierung.

00:12:40: Wir haben das Thema in den Medien gehabt im vergangenen Jahr, das Gebäudetype E. der ja im Kern der Versuch ist, Regulierung zu vereinfachen, Komfortansprüche im Bauen wegzulassen, um einfacher zu bauen, um schneller zu bauen, um günstiger zu bauen.

00:12:56: Aber auch da ist natürlich es notwendig.

00:12:59: jetzt diesem Konzept Taten folgen zu lassen und wirklich die Vereinfachung zu erreichen.

00:13:06: Und das geht nicht nur durch die Beteiligten am Bau.

00:13:09: Da braucht es ganz klar auch den Gesetzgeber und die Behörden in der Prüfung und Freigabe der Bauvorhaben.

00:13:17: Das muss alles schneller gehen.

00:13:19: Sie sprechen das an, die bessere Kommunikation und vielleicht auch Zusammenarbeit der unterschiedlichen Beteiligten.

00:13:24: Ziemlich in der Mitte steckt ja der Handel.

00:13:26: In der Studie ging es auch darum, welche Zukunftsstrategien Unternehmen wählen, um sich zu positionieren und in der aktuell schwierigen Marktlage ihren Weg zu finden.

00:13:38: Der Handel hat angegeben als einmögliches Modell die Ausweitung seines Service-Bottfolios.

00:13:43: Haben Sie da vielleicht ein Beispiel, um das zu veranschaulichen diesen Weg?

00:13:47: Also ich denke, in der Zeit von Amazon und

00:13:50: Co.,

00:13:50: die immer weiter in Bereiche des klassischen Fachhandels auch vordringen und DHL und DPD, die Logistik mindestens genauso gut übernehmen können, zumindest für einfach transportierbare und handhabbare Produkte, stellt sich natürlich die Frage im Handel, was ist meine Rolle in der Wertschöpfung?

00:14:11: in der Zukunft.

00:14:12: Und da ist nach meiner Überzeugung das Thema Service ein ganz, ganz wichtiger Gedanke.

00:14:17: Als Beispiel möchte ich verweisen, zum Beispiel auf Unternehmen wie Wirt oder auch eine GZ-Gruppe in der Haustechnik, die schon sehr, sehr viel in Richtung Service tun, indem sie beispielsweise Vorkommissionieren, Stockwerks genau die Baustellen beliefern, Just-in-Time-Lieferungen auf die Baustellen anbieten.

00:14:40: Es gibt bis hin zur Vorfertigung von gewissen Baugruppen.

00:14:45: Es muss aber nicht nur sich um logistikartige oder logistikähnliche Serviceleistungen handeln.

00:14:53: Das hat sicherlich auch viel mit digitalen Services zu tun.

00:14:57: Wir wissen alle, dass das Thema EU-Taxonomie beispielsweise eines ist, was auch die Baubranche verstärkt in Berichtspflichten zwingt, die natürlich von kleineren und mittleren Unternehmen.

00:15:12: Schwerlich nur in dem Rahmen wirklich mitzuleistend sind.

00:15:16: Auch hier kann ich mir vorstellen, dass ein Handel eine Plattform bietet und eine Hilfestellung bietet, da Leistung zu übernehmen, die vielleicht gar nicht originär in seinem Aufgabenfeld legen, ihn aber in eine Position bringen, dass er zu einem wichtigen Partner des Bauausführendengewerbes wird.

00:15:35: Und das ist, glaube ich, der Kern dessen in der Frage.

00:15:39: Was ist meine Rolle in der Wertschöpfungskette?

00:15:41: Ich denke, der Handel muss sich da so weit neu erfinden, dass er eben genau diese Lücke füllt, wo er sagt, ich nehme meinen Kunden Aufgaben ab, die ihn belasten, die ihn von seiner Wertgenerierung, von seinem erfolgreichen Arbeiten abhalten und sichere dadurch genau meine Position.

00:16:03: Jetzt gibt es ja schon in diesem Bereich, wenn ich mich jetzt auf den Handel und speziell auf Baumärkte beziehe, Modelle, die in Richtung Partnering-Service gehen.

00:16:13: Das heißt, dass man versucht, bei größeren Projekten Firmen zu vermitteln, die dann eben halt diese Sachen übernehmen.

00:16:22: Das ist eine Form dieser Form der Kooperation.

00:16:26: Sehen Sie noch weitere Möglichkeiten, um eben halt als Beschleuniger für die stockende Bausituation in Frage zu kommen.

00:16:37: Also ich denke Kooperation und ich habe versucht das zuvor ja auch schon auszuführen, ist ein ganz ganz wesentlicher Aspekt, wenn wir schneller effizienter werden wollen im Bauen.

00:16:48: Das kann die beschriebene Situation sein, die Sie gerade nannten, dass ich im Baumarkt eben tatsächlich meinen Handwerker vermittelt bekomme, der mir die Fliesen im Bad legt oder die Lampe anschraubt.

00:17:00: Ich glaube, das Thema Kooperation muss man aber wirklich größer denken, wenn wir es wirklich auf eine breitere Ebene heben wollen.

00:17:12: Und da stellt sich für mich eben die Frage, wie wir besser interagieren können zwischen den verschiedenen Beteiligten in der Wertschöpfungskette.

00:17:24: Und das hat dann irgendwann auch was mit Anreizen zu tun.

00:17:28: Wir haben eine Situation, wo wir in unserem Bauwesen, insbesondere in der öffentlichen Vergabe, das Projekt an den günstigsten vergeben.

00:17:39: Da wird schon damit geplant, dass ich mir meinen Ertrag nachher über den Nachtragssichere.

00:17:44: Wir haben häufig Situationen, wo Projektsteuerer beauftragt werden, den Projektfortschritt zu verfolgen und voranzutreiben, die aber tatsächlich, wenn man dann genau hinschaut, einen Anreiz haben.

00:17:59: dass das Projekt eigentlich länger läuft, weil dann die Bezahlung für sie entsprechend gegeben ist.

00:18:03: Insofern glaube ich, dass wir bei diesem Thema Kooperation entlang der Wertschöpfungskette ganz stark die Frage stellen müssen, wie stellen wir sicher, dass wir gleiche Interessen haben am Bauprojekt.

00:18:16: Und das kann beispielsweise durch Kooperation im Projekt.

00:18:21: Beispielsweise in Joint Venture passieren, wo ich eben sage, wir sitzen mit dem, mit der Projektgesellschaft in einem Boot, wir gewinnen und verlieren zusammen.

00:18:31: Und wenn ich da alle Partner in ein gleiches Risiko Sharing bringe, dann kann das ein Lösungsweg beispielsweise sein.

00:18:40: Vielleicht das sei noch erwähnt, es geht ja auch anders.

00:18:44: Wenn wir in unsere Nachbarländer schauen in die Schweiz oder nach Holland, die sind über diese Probleme, die wir hier diskutieren.

00:18:51: diskutieren bei Weitem hinaus.

00:18:53: Ja, das stimmt.

00:18:54: Also auch in anderen Bereichen sind uns andere Länder voraus.

00:19:00: Ein Aspekt, der ja aktuell auch mehr diskutiert wird, ist das Gebäude über den gesamten Lebenszyklus zu betrachten.

00:19:07: Könnten Sie mal verdeutlichen, wie die Methode des Lifecycle-Costing für alle am Bauprozess Beteiligten ein Vorteil sein kann?

00:19:15: Unter Lifecycle-Costing versteht man ja nicht nur in die Bewertung einfließen zu lassen, was kostet es mich, das Gebäude zu bauen, sondern eben den gesamten Lebenszyklus zu betrachten.

00:19:25: Also auch die Betriebskosten über die über die Lebensdauer des Gebäudes bis hin zu einer Entsorgung am Ende des Lebenszykluses.

00:19:34: Zunächst mal würde ich sagen, ist das ja ein sinnvoller Gedanke zu sagen, ich schaue nicht nur auf die Kosten, was kostet das Gebäude zu bauen und zu planen, sondern auch dann über die Jahre zu betreiben.

00:19:44: Und das ist ja auch genau das Argument, jetzt die Brücke geschlagen zur vorigen Frage, wo wir darüber gesprochen hatten, wie kann ich den Kosten in der Nutzung reduzieren?

00:19:55: Also ist der Euro, den ich vorn in der Anschaffung mehr investiere?

00:20:02: Ein lohnender Euro, in dem ich mir über den Betrieb, über die Jahre entsprechend Geld spare.

00:20:09: Und aus dieser Perspektive würde ich behaupten, ist natürlich eine Lifecycle-Costing-Betrachtung hochgradig sinnvoll.

00:20:17: Das ist eigentlich die Basis, um eine sinnvolle Investitionsentscheidung zu treffen, ob ich jetzt in die Sanierung der Fassade investiere, um die bessere Dämmung zu erhalten, ob ich die Fenster erneuere.

00:20:32: Das ist ja genau die Frage, macht es Sinn, das früher zu machen oder kann ich darüber die Betriebskosten nicht in dem Maße senken, dass die Investition sinnvoll ist.

00:20:42: Also insofern absolut sinnvoll die Methode.

00:20:46: Die Frage ist natürlich, wie nahe an der Realität ist das?

00:20:53: habe ich für mich schon mein Fragezeichen.

00:20:56: Denn Punkt eins ist, ich kenne im Zeitpunkt der Planung, in der ich diese Frage beantworten müsste, natürlich noch nicht die Betriebskosten hinten raus.

00:21:08: Wir sind ja vielfach noch nicht mal in der Lage, die initialen Herstellungskosten des Gebäudes sauber zu planen.

00:21:16: Die Projekte kennen wir alle, der Berliner Flughafen, der sich um ein Vielfaches verteuert hat, Stuttgart-I, ist immer noch im Bau, da dann zu sagen, ich kann eine qualifizierte Aussage über die Betriebskosten jetzt schon treffen, halte ich für Gelinde gesagt etwas gewagt.

00:21:36: Und da haben wir dann noch gar nicht über die Entsorgung gesprochen, die wir vor dem Hintergrund nachhaltig halt ja auch noch mit betrachten müssten.

00:21:42: Also insofern, ich glaube, es ist genau der richtige Gedanke, aber in der Praktikabilität glaube ich heute noch nicht da, wo wir hin müssten.

00:21:54: Sie hatten die Frage so formuliert, welchen Nutzen oder wie kann diese Methode, wenn wir sie denn einsetzen, nutzen für alle Schiften?

00:22:02: Ich glaube, der Vornehmliche Nutznieser der Methode des Life-Cycle-Costing ist in erster Linie der Bauherr.

00:22:09: Der bekommt nämlich Transparenz darüber, was eben nicht nur die Anschaffung, die ja wohl über ein normaler Reisejahr ein Angebot seines Architekten und Bauunternehmers bekommt, sondern eben auch langfristig für den Betrieb und später für eine mögliche Entsorgung.

00:22:26: bezahlen muss.

00:22:28: Das hilft ihm also seine Investition langfristig richtig zu priorisieren.

00:22:34: Für den Planer ist das initial eher ein Mehraufwand, dass er das tun muss.

00:22:39: Irgendjemand muss ja die Expertise haben, das entsprechend zu tun.

00:22:44: Ich denke dabei helfen so Zertifizierungen wie beispielsweise der DGNB-Standard.

00:22:53: die genau in diese Richtung gehen, eben zu spezifizieren, was habe ich denn für Einsparungen, wenn ich gewisse Verfahren anwende und was sind da Standards für?

00:23:03: Und das wiederum hilft dann auch allen anderen am Bau Beteiligten.

00:23:08: In dem Sinne, dass ich natürlich über Standards, die ich in der Zertifizierung definiere, eine Planbarkeit schaffe, eine Reduktion von Freiheitsgraden schaffe, was bauen dann wieder überschaubarer, verständlicher und weniger variantenreich gestaltet.

00:23:27: Also insofern, ja, direkter Nutznäßer ist sicherlich der Investor für alle anderen mehr Aufwand mit der Hoffnung auf leichter Verbesserung.

00:23:39: Jetzt kann man sagen letztendlich, dass wenn Unternehmen mehr die Chancen als die Risiken betrachten, haben Sie die Möglichkeit, tatsächlich auch sich einen Wettbewerbsvorteil anzueignen.

00:23:54: Aus Ihrer langjährigen Erfahrung sind Ihnen sicherlich interessante Beispiele bekannt, am liebsten natürlich von Händlern.

00:24:02: Vielleicht können Sie uns einmal so etwas schildern, wie eine erfolgreiche Transformation oder eine Ausrichtung auf diese Zukunft des Bauns gelungen ist.

00:24:13: Ich denke, hier ist aktuell tatsächlich sehr viel im Fluss.

00:24:17: Jedes Unternehmen, das ich kennengelernt habe und das betrifft sowohl Hersteller als auch Handel bis hin zu Bauausführenden Unternehmen, stellt sich die Frage, was sind für uns die richtigen Lösungen für die Zukunft.

00:24:31: Das ist auch ein Ergebnis unserer Studie, weil wir haben genau diese Frage auch gestellt.

00:24:36: Was ist denn eure Zukunftsstrategie?

00:24:39: Und wir hätten uns gewünscht, dass da ganz klar rauskommt, es ist A oder B. Es ist beispielsweise eine Ausweitung des Serviceportfolios oder es ist eine stärkere vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette, aber das Bild kam so nicht raus.

00:24:55: Was rauskam war, dass es sehr, sehr unterschiedlich ist, von Unternehmen zu Unternehmen in welche Richtung sie sich orientieren in ihrer Zukunftsstrategie.

00:25:10: Fällt es mir insofern schwer zu sagen, das ist der eine Leuchtturm.

00:25:14: Ich glaube, es gibt viele Wege, wie Unternehmen für sich versuchen, in die Zukunft zu gehen.

00:25:21: Ich nenne mal ein paar Beispiele.

00:25:24: Die Firma Kemmler beispielsweise als ein Handelsunternehmen hat kürzlichen Tochterunternehmen ausgegründet, was für den Vertrieb und die Installation von Solaranlagen ausgelegt ist.

00:25:37: Das ist plötzlich ein ganz anderes Geschäftsmodell, womit die sich da beschäftigen.

00:25:42: Ein anderes sehr bekanntes Unternehmen, die bei war in München, hat vor den aktuellen Turbulenzen den Schritt in Richtung eigener Projektentwicklung gewagt.

00:25:54: Natürlich ein logischer Schritt auch ist, wenn man sich überlegt, wo verdienen denn Unternehmen eigentlich in dieser Immobilien-Wertschöpfungskette tatsächlich Geld?

00:26:05: Das ist sehr viel mehr natürlich in der Projektentwicklung, auch wenn es mit mehr Risiko verbunden ist, aber sehr viel mehr in der Projektentwicklung als im eigentlichen Handel.

00:26:15: Es gibt also viele Beispiele.

00:26:17: Ich hatte vorher dann die Unternehmen N-Pal oder Thermondo auch angesprochen, die jetzt vielleicht in dem Sinne nicht handelsen, aber in der Haustechnik mittlerweile zu den größten Installationsbetrieben Deutschlands gehören für Wärmepumpen, die den Weg gehen, direkt an den Endkunden ranzugehen, N-Pal eben mit der Vermietung Thermondo auch in der Direktansprache zum Endkunden.

00:26:43: Und insofern ... Es gibt so viele Beispiele, wie Unternehmen sich auf ihre Zukunft ausrichten.

00:26:50: Die eine Strategie gibt es nicht, aber darin liegt der wirkliche Kern dessen.

00:26:56: Es ist zwingend erforderlich, sich damit auseinanderzusetzen, wie ich mich in meinem Umfeld neu orientieren kann, wie ich an neuen Märkten, an neuen Ideen partizipieren kann.

00:27:10: Beispiele gibt es genügend für Unternehmen, die eigentlich gut positioniert waren und dann neue Trends verschlafen haben.

00:27:17: Nokia wusste, dass das Smartphone eine Möglichkeit ist und hat das nicht gemacht.

00:27:22: Insofern ist, glaube ich, in einer wirtschaftlichen Situation, wie wir sie gerade haben, die Krise im Bau auch Chance.

00:27:31: Dinge anders zu machen, neue Wege zu gehen, etwas auszuprobieren.

00:27:35: Ich glaube, das ist eigentlich als Fazit die wichtigste Strategie, ob jetzt Händler oder Hersteller neue Wege auszuprobieren, neue Wege zu gehen.

00:27:46: Es werden Rückschläge dabei sein, aber es sind vielleicht auch wirklich spannende neue Geschäfte dabei, die die entsprechenden entstehen.

00:27:56: Jetzt ist es ja schwierig bei den vielen Strategien, die es gibt und den verschiedenen Wegen Modellen für sich das passende zu finden.

00:28:03: Haben Sie da einen Tipp, wie die Unternehmen vorgehen sollten oder vielleicht auch ab wann externe Hilfe und Beratung sinnvoll ist in dieser strategischen Entwicklung?

00:28:13: Nach meiner und unserer Überzeugung bei Simon Kuchauer und Partners ist es der einzig richtige Weg vom Kunden zu kommen.

00:28:22: sich die Frage zu stellen, was braucht mein Kunde, wie kann ich meinem Kunden helfen?

00:28:28: Ich hatte vorher über das Beispiel gesprochen, da hatten wir über den Handel gesprochen und die Frage, wie der seine Rolle in Zukunft im Markt finden kann im Baustoffbereich.

00:28:40: Die Frage dort ist, welche Druckpunkte, welche Schmerzpunkte haben Handwerker, die ich ihnen abnehmen kann?

00:28:49: Wo kann ich einen Mehrwert für meinen Kunden stiften, der für ihn natürlich auch wahrnehmbar und sinnvoll sein muss?

00:28:56: Und ja, also das ist für mich der einzige richtige Weg.

00:29:00: Die zweite Frage, die Sie gestellt haben, wann macht dabei externe Hilfe Sinn?

00:29:06: Externe Hilfe macht nach meiner Überzeugung dabei Sinn als Kondensator dessen, was sie intern wissen, was sie brauchen.

00:29:21: Sie brauchen irgendjemanden, der nicht aus ihrer Organisation ist, der sie dabei herausfordert.

00:29:27: Der externe Berater kann in der Regel nicht ihnen die Strategie vorlegen und sagen das ist genau das Richtige für dich, weil ich den Markt besser kenne als du.

00:29:36: Das wäre falsch.

00:29:38: Der externe Berater kann aber dabei helfen, die Brille des Kunden aufzusetzen, sich selbst zu hinterfragen und das was in der eigenen Wahrnehmung vielleicht weniger wichtig war in ein anderes Licht zurück.

00:29:54: Dabei ist in so einem Prozess nach meiner Überzeugung immer ein gewisses Maß an externer Hilfe essentiell.

00:30:02: Ja, vielen Dank, Herr Meier.

00:30:04: Markus, hast du noch eine Ergänzung?

00:30:07: Ja, ich fand es bisher extrem spannend und aufschlussreich, was Sie gesagt haben, Herr Meier.

00:30:13: Und im Kern sind die Fragen, die ich hatte, beantwortet.

00:30:16: Ich bedanke mich an dieser Stelle sehr für Ihre Zeit und für Ihre Bemühungen, das alles mal ein bisschen genauer.

00:30:24: aufzudröseln.

00:30:25: Dankeschön.

00:30:26: Vielen Dank auch von meiner Seite.

00:30:29: Es war ein sehr informatives und interessantes Gespräch.

00:30:32: Herzlichen Dank auch von meiner Seite.

00:30:33: Vielen Dank für die Einladung.

00:30:34: Hat mich gefreut, hier zu sein zu dürfen.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.